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Schlössle mit Parkanlage Kressbronn a. B.

Das sogenannte „Kressbronner Schlössle“ ist eine Villa aus dem 19. Jahrhundert im angrenzenden Schlösslepark und beherbergt heute das Museum für historische Schiffsmodelle. Das Gebäude und der Park erinnern an die Zeit, als die Bodenseeregion im 19. Jahrhundert als Urlaubs- und Erholungsregion entdeckt wurde. Die Parkanlage selbst wurde damals als Arboretum angelegt. Hier findet sich auch die Quelle des Kressbachs, dessen kühle Wasser eine Kneippanlage speist. Eine Freiluftbühne im Schlösslepark wird im Sommer regelmäßig für Veranstaltungen genutzt.

Die Geschichte des einstigen Bauernanwesens führt uns zurück bis in das Jahr 1829 als Kressbronn noch unterteilt in Hemigkofen und Nonnenbach war. Der ehemalige Besitzer Anton Stohr verkaufte im Juli 1863 sein im Jahr 1829 erbautes Anwesen mit Stallung, Scheune und großem Grundstück an den Freiherrn Hans von Aufseß, einem sehr angesehen Forscher und Gelehrten in Deutschland. Mit einer amtlichen Genehmigung baute von Aufseß das Bauernanwesen zu einem einstöckigen Wohnhaus um und weitete seinen Grundbesitz durch weitere Ankäufe bis zum See und bis zum Nonnenbach aus. Zum Ausruhen und Spazierengehen legte er sich einen großen Park mit Spazierwegen an. Auch der heutige Aussichtspavillon am See stammt aus dieser Zeit.

Nach dem Tod von Hans von Aufseß am 6. Mai 1872 verkauften die Erben das Anwesen und es gelang 1875 schließlich in den Besitz des Juristen Dr. Otto Bohlmann. Seiner Zeit der berühmteste Rechtsanwalt für Erbstreitigkeiten in fürstlichen Häusern, verbrachte seine freie Zeit hier in Kressbronn, ließ das Wohnhaus abreißen und errichtete an dessen Stelle eine prunkvolle Villa mit Turm. Im Jahr 1890 zog sich Bohlmann wieder nach Berlin zurück und verkaufte sein Anwesen an Leonhard Ecker von Wasserburg, der im April 1896 seinen Besitz an den Ingenieur und Überseekaufmann Karl Heisler aus Freiburg übergab.

Der neue, stolze Schlossbesitzer war ein großer Gartenliebhaber und so wollte er mit seinem angelegten Park die Insel Mainau in ihrer Schönheit übertreffen. Zwischen der heutigen Lände und dem Schlössle befand sich ein ovaler Teich, geschmückt mit Putten und einer Merkurstatue, dem damaligen Wahrzeichen der Kaufleute.

Zwei weitere schön verzierte Teiche befanden sich bei der heutigen Kneippanlage. Das nötige Wasser dafür lieferten zwei Brunnenwerke, wobei einer der beiden, mit der Jahreszahl 1896 versehen, heute noch im Park zu finden ist. Folgte man dem Kreßbach zum See hinunter, gelang man an den Bootshafen von Heisler. Spuren des Bootshafens sind auch heute noch an den Stützmauern beim Seepark zu sehen.

Während des ersten Weltkriegs verkaufte Heisler seinen Besitz an die Familie Boneck, die eine große Tuchhandelsfirma betrieben. Aufgrund der Rezession der zwanziger Jahre kam es am 26. September 1932 zu einer Zwangsversteigerung. Zunächst wurde nur ein Teil des Anwesens verkauft – der Friedrichshof, die heutige Gärtnerei Fiegle-Müller.

Der Rest des Anwesens ging am 5. Januar 1934 an die Gemeinde Kressbronn über. Kurze Zeit später gelang das Schlössle unter den Besitz der NSDAP und wurde als Gauführerschule genutzt. Im Jahr 1945 übernahm die französische Besatzungsmacht das Gebäude.
Nach Kriegsende war von dem einst schönen Park nicht mehr viel übrig – verwahrloste und verwilderte Fußwege und ein verfallener Eisenzaun. Das Schlössle diente als Obdachlosenasyl, Mosaikwerkstätte und Schullokal.

Im Wandel der Zeit hat das Schlössle bis heute äußerlich keine großen Veränderungen erfahren, abgesehen vom Turm, der 1935 gekürzt und dessen ehemaliges Spitzdach entfernt wurde, sowie der Freitreppe, die damals doppelt so breit war.

Auf dem Hof des Schlössles in Richtung Galerie LÄNDE befindet sich heute ein Spielfeld für Freilandschach. Bei dem beliebten Brettspiel im Großformat können Alt und Jung neue Spieltaktiken austüfteln, dabei die frische Luft genießen und jede Menge Spielspaß erleben. Den Schlüssel für die Figurenkiste können sich Gäste und Einheimische kostenlos im Museum im Schlössle abholen.

Im Schlösslepark selbst sind rund 80 zum Teil über 100 Jahre alte Bäume zu finden. Darunter auch viele Exoten wie Mammutbäume, Ginkos und Zedern.